Die süße Erfahrung oder nur ein Stück Schokolade Drucken




Manchmal kommt alles ganz anders und so landete ich wegen einer "Frauengeschichte mit fortgeschrittener Entzündung" im Krankenhaus. Nach einer nochmaligen Untersuchung wurde mir eröffnet, dass ich um einen operativen Eingriff nicht herumkommen würde und so stellte ich mich mehr schlecht als recht auf diesen unumstößlichen Aufenthalt ein, der mir so gar nicht in meine Planung passte. Jetzt war einfach Ruhe befohlen. Keine Gedanken mehr an termingebundene Aufträge und geplante Workshops. All das fand seinen Platz in der Warteschleife und ich erhielt eine Verschnaufpause, die Überraschendes für mich inne hielt. Die Entdeckung und der Genuss, der "Ach so alltäglichen Selbstverständlichkeiten".
Der erste Bissen einer harten Speise, die man nach dem operativen Eingriff zu sich nehmen darf, erscheint wie ein Festmahl. Dem einfachen Zwieback verleiht man sofort zwei Gourmetsterne und schon bald darauf lechzt man nach frischem Salat, rot-lachenden Tomaten und saftigen Gurkenstücken. Zu dieser Zeit besuchte mich der Pfarrdienst der Gemeinde und überreichte mir eine Tafel Schokolade. In einer stillen Stunde, als ich ein gutes Buch las, öffnete ich dieses süße Mitbringsel und freute mich auf dessen Geschmack. So steckte ich ein Stückchen davon in den Mund und nahm meine Lektüre wieder zur Hand um darin weiter zu lesen... Doch das konnte ich nicht! Das Erlebnis was so groß, dass ich mein Buch zur Seite legen musste und die Augen schloss um mich ganz diesem süßen Genuss zu ergeben.
Jeden Tag erleben wir solche schönen und wundersamen Dinge und bemerken sie meistens nicht mehr richtig, weil alles in starren Bahnen verläuft und scheinbar so gewöhnlich ist.
Liebe, ein nettes Wort oder eine kleine Aufmerksamkeit sind nicht selbstverständlich. Zuwendung und ein Lächeln von Mensch zu Mensch sind etwas besonderes, das in der Sinnesflut des täglichen Lebens nicht untergehen sollte.
Danke für diese süße Erfahrung.

© Heidemarie A. Sattler
 
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